HYPNOSE

Viele verbinden Hypnose zunächst mit Showbühnen, spektakulären Bildern und der Frage: „Ist das echt oder gespielt?“. Die eigentliche Faszination beginnt jedoch dort, wo Hypnose den Showrahmen verlässt und sichtbar macht, wozu der menschliche Geist tatsächlich imstande ist. Erfahren Sie mehr, was Hypnose wirklich ist (und was sie nicht ist) – und erhalten Sie Antworten auf die häufigsten Fragen, 

HYPNOSE VERSTEHEN: EINE MODERNE SICHT AUF EINE ALTE FÄHIGKEIT DES GEISTES

Neuropsychologisch fundiert – therapeutisch genutzt

Ein Arm wird schwer, ein Schmerz tritt in den Hintergrund, ein Gefühl von Ruhe breitet sich aus, ohne dass sich äußerlich „objektiv“ viel verändert hat. In der Hypnose wird erfahrbar, dass Körper und Geist keine getrennten Bereiche sind, sondern eine Einheit: Innere Bilder, Bedeutungen und Erwartungen können spürbare körperliche Reaktionen auslösen.

 
Genau das macht Hypnose so spannend: Sie zeigt, wie stark wir an der Konstruktion unserer Wirklichkeit beteiligt sind – und wie viel mehr Einfluss wir auf Wahrnehmung, Erleben und innere Realität haben, als es im Alltag oft erscheint. Denn in einem hypnotischen Zustand reagiert das Gehirn besonders sensibel auf das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Vorstellungen werden nicht nur gedacht, sondern erlebt – und können so gezielt für positive Veränderungen genutzt werden.

Alles was fasziniert und die Aufmerksamkeit eines Menschen festhält oder absorbiert, könnte als hypnotisch bezeichnet werden.

Milton H. Erickson 

Was ist Hypnose? In einem Satz …

Hypnose bezeichnet einen zielgerichteten mentalen Prozess, indem die Aufmerksamkeit stark fokussiert wird, Ablenkungen in den Hintergrund treten und innere Vorstellungen – etwa Bilder, Gedanken oder Körperempfindungen – intensiver und „realer“ erlebt werden. 
 
Dabei ist eine hypnotisierte Person nicht bewusstlos oder willenlos, sondern wach und ansprechbar, allerdings mit einer verschobenen Gewichtung dessen, worauf das Gehirn seine Verarbeitungskapazität richtet.
 
Vieles von dem, was in der Hypnose geschieht, findet sich auch in Alltagszuständen wieder, etwa wenn man in ein Buch oder einen Film so vertieft ist, dass man Zeit, Umgebung oder Geräusche um sich herum kaum noch wahrnimmt.
 
In der therapeutischen Arbeit nutzen wir diese vertiefte Form der Fokussierung nicht für Effekte, sondern dafür, eingefahrene Muster, Symptome und innere Konflikte auf einer Ebene zu erreichen, die mit reinem „Darüber-Nachdenken“ häufig nicht zugänglich ist.

Eine uralte Methode – neu entdeckt

Die Geschichte der Hypnose reicht weit zurück und zeigt eine kontinuierliche Entwicklung von spirituellen Praktiken hin zu einer wissenschaftlich fundierten Methode. Bereits in altägyptischen, griechischen und indischen Kulturen finden sich Hinweise auf tranceähnliche Rituale, die zur Heilung oder spirituellen Erkenntnis eingesetzt wurden. Im 18. Jahrhundert prägte Franz Anton Mesmer mit seiner Theorie des „animalischen Magnetismus“ erstmals ein systematisches Verfahren, das jedoch wissenschaftlich umstritten blieb.
 
Den entscheidenden Wendepunkt markierten im 19. Jahrhundert James Braid, der den Begriff „Hypnose“ einführte, sowie Jean-Martin Charcot und Hippolyte Bernheim, die hypnotische Phänomene medizinisch untersuchten. Im 20. Jahrhundert trugen Sigmund Freud zunächst durch Nutzung, später durch Abkehr, und insbesondere Milton H. Erickson mit seinem modernen, indirekten Ansatz maßgeblich zur Etablierung der Hypnotherapie bei. Heute gilt Hypnose als anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren mit breitem Anwendungsbereich.

Das Gehirn empfängt nicht nur Sinnesinformationen, es macht Vorhersagen und gleicht diese mit den Sinnesdaten ab.

Wie Wahrnehmung grundsätzlich zustande kommt

Um zu verstehen, was Hypnose im Gehirn bewirkt, ist es hilfreich, sich klarzumachen, wie Wahrnehmung grundsätzlich zustande kommt. Das Gehirn bildet nicht einfach eine Kopie der Außenwelt ab, sondern konstruiert Wirklichkeit auf Basis von Sinnesdaten und Erwartungen.
 
Es arbeitet gewissermaßen wie ein Vorhersageapparat: Es erzeugt ständig Prognosen darüber, was als Nächstes eintreffen sollte, und gleicht diese mit den eintreffenden Sinnesinformationen ab. Wenn beides übereinstimmt, wird die Vorhersage bestätigt. Wenn es Abweichungen gibt, werden entweder die Erwartungen angepasst oder die eingehenden Signale anders interpretiert.
 
In diesem Sinne ist Wahrnehmung immer ein Zusammenspiel von „Top-down“-Prozessen (Erwartungen, Modelle, Überzeugungen) und „Bottom-up“-Signalen (Rohdaten der Sinne).

Wie Hypnose in diese Mechanismen eingreift

Hypnose greift genau in diese Mechanismen ein. Sie verändert, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird, welche Erwartungen das Gehirn besonders stark gewichtet und wie eingehende Reize verarbeitet und interpretiert werden.
 
Suggestionen – also sprachliche Anregungen wie „Dein Arm wird schwer“ oder „Der Schmerz tritt in den Hintergrund“ – werden zu starken inneren Vorhersagen.
 
Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit eng auf diese Inhalte fokussiert, während konkurrierende Reize, Zweifel oder selbstkritische Kommentare in den Hintergrund treten.
 
Man kann sich das vereinfacht so vorstellen, dass die „Lautstärke“ innerer Vorstellungen höher gedreht wird, während die „Lautstärke“ störender oder widersprüchlicher Informationen leiser gestellt wird.

Bilder – die Sprache des Unbewussten

Unsere Vorstellungskraft spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Gehirn unterscheidet in vielen Bereichen weniger klar, als wir denken, zwischen tatsächlich Erlebtem und intensiv Vorgestelltem: Innere Szenen, Körperbilder und Symbole können ähnliche Netzwerke aktivieren wie reale Erfahrungen. Bilder, Metaphern und Imaginationen sind gewissermaßen eine „Sprache“ des Unbewussten – oft direkter und wirksamer als rein rationale Argumente.
 
In der Hypnose nutzen wir genau diese Bildersprache: Eine innere Landschaft, ein Schutzort, das Bild einer Last, die leichter wird, oder eines Körpers, der sich ausdehnt und entspannt, erreicht Ebenen Ihres Erlebens, auf denen logische Einsicht allein oft nicht genügend Wirkung entfaltet.
 
Über Imagination können unbewusste Anteile einbezogen werden, ohne sie analysieren zu müssen; innere Konflikte können sich in Symbolen zeigen und auf symbolischer Ebene verändert werden. So werden innere Bilder zu einem kraftvollen Medium, um neue Erfahrungen zu verankern – im Denken, im Fühlen und im Körper.

Wie wirkt Hypnose im Gehirn?

In Hypnose verändert sich nachweislich die Aktivität und das Zusammenspiel wichtiger Gehirnnetzwerke. 
 
1. Default Mode Network – der innere Dialog: Dieses Netzwerk ist aktiv, wenn wir grübeln, uns Sorgen machen oder über uns selbst nachdenken. In Hypnose wird seine Aktivität meist reduziert: Der innere Kommentator wird leiser, der Geist wird ruhiger. So fällt es leichter, sich auf innere Bilder, Gefühle und neue Vorstellungen einzulassen.
 
2. Salience Network – der Aufmerksamkeitslenker: Es entscheidet, was wichtig ist und unsere Aufmerksamkeit bekommt. In Hypnose richtet dieses Netzwerk den Fokus stark auf die Stimme des Therapeuten und auf innere Erfahrungen. Störende Außengeräusche oder Gedanken treten in den Hintergrund – ein tiefes Eintauchen wird möglich.
 
3. Executive Control Network – der „Kontrolleur“: Dieses Netzwerk ist zuständig für bewusstes Planen und Analysieren. Während der Hypnose tritt diese kontrollierende Instanz etwas zurück. Dadurch können neue Sichtweisen, Verhaltensweisen und innere Lösungen leichter angenommen werden.

Vom Verstehen zum Erleben – die Brücke, die Hypnose schlägt

 
Viele Menschen, die in meine Praxis kommen, haben ein hohes Maß an Einsicht: Sie wissen, „woher etwas kommt“, können Zusammenhänge benennen und reflektieren sehr differenziert. Und doch bleiben bestimmte Gefühle, Symptome oder Reaktionen bestehen.
 
Der Grund: Kognitive Einsicht verändert nicht automatisch die impliziten Muster, nach denen das Gehirn Reize bewertet und den Körper reagieren lässt. Diese Muster sind in Netzwerken verankert, die stärker von Emotion, Körpererfahrung und unbewussten Erwartungen geprägt sind als von bewussten Gedanken.
 
Aus Sicht des Gehirns läuft Veränderung in etwa so ab:
 
  • Das Gehirn erkennt: „Mein bisheriges Modell (z. B. „Ich bin nicht sicher“, „Ich kann das nicht“, „Ich bin nicht gut genug“, „Schmerz ist bedrohlich“) passt nicht mehr zu dem, was ich erlebe.“
  • Es erhält wiederholt neue, emotional relevante Erfahrungen, die dem alten Modell widersprechen.
  • Die alten Erwartungen werden nach und nach abgeschwächt und durch neue ersetzt.
 
Hypnose unterstützt diesen Prozess, weil sie:
 
  • die Aufmerksamkeit auf bestimmte innere Erfahrungen lenkt,
  • innere Bilder und Körperzustände so intensiv macht, dass sie für das Gehirn lernrelevant werden,
  • störende Ablenkungen (z. B. Grübeln, Selbstkritik, äußere Reize) vorübergehend in den Hintergrund treten lässt.
 
So können in der therapeutischen Arbeit korrigierende emotionale Erfahrungen gezielt erzeugt und verankert werden: Situationen, in denen Sie sich innerlich anders erleben, als es Ihr Problem „eigentlich“ erwarten lässt – sicherer, freier, kompetenter, verbundener, schmerzfreier. Genau darin liegt die besondere Stärke hypnotherapeutischer Veränderungsarbeit.

Typische Anliegen, bei denen Hypnose unterstützen kann

 
Hypnose kann u. a. hilfreich sein bei:
 
  • Stress, Überforderung, innerer Unruhe, leichte und mittlere Depressionen
  • Ängsten und Unsicherheiten (z. B. Prüfungsangst, Auftrittsangst)
  • Gewohnheitsänderungen (z.B. Rauchen, Gewichtsreduktion)
  • Selbstwert- und Beziehungsthemen
  • Schlafstörungen und Grübelschleifen
  • körperlichen Beschwerden mit psychischer Beteiligung (z. B. Spannungszustände, Migräne, psychosomatische Beschwerden – in Ergänzung zur ärztlichen Abklärung)
  • Unterstützung bei Veränderungsprozessen (z. B. berufliche Neuorientierung, Loslassen von Mustern oder Gewohnheiten)
Wenn Sie neugierig geworden sind und prüfen möchten, ob Hypnose für Ihr Anliegen geeignet ist, biete ich Ihnen ein unverbindliches Erstgespräch an. Dort klären wir Ihre Fragen, besprechen Ihre Ziele und prüfen gemeinsam, ob und in welcher Form Hypnose in Ihrem konkreten Fall sinnvoll und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

Die häufigsten Fragen und Antworten

Wie fühlt man sich in Hypnose?

Hypnose ist ein ganz natürlicher, wenn auch besonderer Bewusstseinszustand. Grundsätzlich fühlt es sich entspannt und sehr angenehm an, wie kurz vor dem Einschlafen. Aber Sie schlafen nicht, sondern bekommen in der Regel alles mit, was der Hypnotiseur sagt. Je häufiger Sie Hypnose praktizieren, desto eher werden Sie spüren, wenn Sie in einen hypnotischen Zustand wechseln.

Verliere ich die Kontrolle?

Hypnose-Shows vermitteln den Eindruck, dass Probanden gegen ihren Willen peinliche Dinge tun, die sie bewusst nie tun würden. Hier ist wichtig zu wissen, dass solche Shows nach ganz bestimmten Regeln verlaufen. Der Hypnotiseur sucht sich durch einen längeren Auswahlprozess und Tests diejenigen Kandidaten heraus, die besonders kooperativ und bereit sind (bewusst und unbewusst) mitzumachen. Das ist dann keinesfalls gespielt, aber es deckt sich mit der innerlichen Bereitschaft des Probanden. Generell lässt sich sagen: In Hypnose ist der kritische Verstand zwar gedämpft, aber nicht ausgeschaltet. Suggestionen, die als nicht passend empfunden werden, können zurückgewiesen werden. Niemand kann Sie zwingen, etwas zu tun oder zu erzählen, was Sie selbst nicht wollen.

 

Kann es passieren, dass ich aus der Hypnose nicht mehr herauskomme?

Nein. Denn Sie schlafen nicht und sind auch nicht bewusstlos. Sie können die Hypnose jederzeit unterbrechen – wenn Sie es denn wollen.

 

Wie unterscheiden sich Hypnose und Meditation?

Beide Ansätze induzieren Trancezustände, wirken beruhigend und schmerzlindernd und führen nachweislich zu strukturellen Veränderungen des Gehirns. Wie sich Meditation und Hypnose voneinander unterscheiden, hängt von der Definition und dem Selbstverständnis, derjenigen ab, die sie verwenden. Aus meinem Verständnis heraus dient die Meditation der spirituellen Erfahrung, der Losgelöstheit von allen Gedanken und Vorstellungen. Hypnose als Methode im Coaching oder therapeutischen Kontext ist immer auf ein Ziel ausgerichtet. Das Ziel und damit die Suggestionen und die damit verbundenen imaginierten Vorstellungsbilder bestimmen die Wirkung.

 

Wie läuft eine Hypnose-Sitzung ab?

Der Aufbau einer Hypnose-Sitzung folgt im Groben dem Schema: Vorgespräch, Induktion (Tranceinleitung), therapeutische Arbeit, Ausleitung. In der Regel wird Hypnose im Liegen oder Sitzen durchgeführt. Dann sind die Augen zumeist geschlossen und es stellt sich ein Zustand der angenehmen Entspannung ein. Genauso gut ist es aber möglich, eine Hypnose im Stehen und mit offenen Augen durchzuführen. Auch Sprechen ist in einer hypnotischen Trance möglich.